Schweizer Meteorologe weiht Wetterstation in Pirna ein. Von Thomas Möckel.
Jörg Kachelmann, Schweizer Wetterexperte und ehemaliger Talkshow-Moderator, bewies gestern erneut, dass er selbst die Einweihung einer schlichten Wetterstation wie ein Volksfest zelebrieren kann. Der Eidgenosse war persönlich nach Pirna gereist, um den dürren Messfühler offiziell in Betrieb zu nehmen. Das Gerät thront auf dem Trinkwasser-Hochbehälter der Pirnaer Stadtwerke an der Basteistraße. Der Meteorologe zeigte sich ganz gerührt von vielen Besuchern, die ihn erwarteten. „Ich bin sehr froh, dass sie mich noch erkennen“, frozzelte der wortgewandte Schweizer, „obwohl ich nicht mehr bei Riverboot bin.“ Die Gäste feierten Kachelmann trotzdem wie einen berühmten Star, riefen „Jörg“, „Hurra“ und „Schön, dass du da bist“. So interessierten sich auch die wenigsten für die Wetterstation, sonder kamen aus anderen Gründen: Ältere vermissten Kachelmann im Fernsehen, Schüler wollten persönliche Dinge wissen, Autogrammjäger warteten auf den ersehnten Schriftzug.
Mit einem Mikrofon bewaffnet, mischte sich der Wetterexperte unter die Gästeschar und gab sich redegewandt – wie ein Moderator. Es schien selbst so, als hätte er extra das Wetter für seinen Auftritt inszeniert. Als Kachelmann die Stufen zu der Messstation emporschritt, tauchte plötzlich die Sonne hinter dunkelgrauen Wolken auf. „Dieses Licht ist sehr gnädig mit mir“, scherzte der 46-Jährige, „es glättet meine Falten.“ Als nach der Fragestunde der offizielle Einweihungsakt folgte, rissen sich die Besucher darum, Teile des durchtrennten Bändchens zu erhaschen, die der Schweizer bereitwillig verteilte. Nebenbei offenbarte er aber auch sein technisches Interesse an der Station. Er will das Wetter künftig noch lokaler vorhersagen und baue sein Netz flächendeckend aus. Mit Pirna hat er nun einen weiteren weißen Fleck auf seiner Karte getilgt. Der Ort ist ihm besonders wichtig: Dank genauer Daten kann er nun auch hier, wo schon erst 2002 eine schwere Flut wütete, solche Katastrophen präziser vorhersagen, damit den Einsatzkräften mehr Zeit zum Handeln bleibt.